Dienstag, Juli 31

Endstation

Leider ist aufgrund nachlassender Zugfahrtätigkeit das Ende dieses Blogs gekommen. Herzlich möchte ich mich bei allen Mitfahrern, Schaffnern und Zugführern der DB bedanken, ohne deren kräftiges Zutun niemals diese wunderbare Vielfalt an Skurrilitäten des Bahn-Alltags zustand gekommen wäre. Schließen möchte den letzten Eintrag mit einem kleinen Zitat-Ausschnitt eines nervigen Mitfahrers, der seine wehrlose Begleitung heute morgen mit einem 20-minütigen Monolog über das Thema "Autos" fast zu Tode gelangweilt hat: "Jetz sach ma ehrlich, warum soll ich mir nen Audi Kombi kaufen, wenn der nur nen Kofferrauminhalt von 428 Liter hat und die A4-Limousine 458 Liter hat?! Hallo? Entschuldigung? Ich bin doch nich´ doof, da kauf ich mir doch die Limousine! Da passen zwar nur wenige Dachgepäckträger drauf, aber die braucht ich ja auch nich´. Is doch klar, oder?"

Dienstag, Juli 24

Bahn-Humor

Den Zugführern ist bei ihrem langwierigem Arbeitskampf der Humor nicht verloren gegangen. Der Rhein-Express war heute morgen mit nur drei Waggons deutlich kürzer als gewohnt und daher wurde es im Allgemeinen auch recht eng ab Oberhausen. Aus diesem Grund wurde, was der Zugführer durchsagte, die 1. Klasse für alle Fahrgäste freigegeben. Seiner Entschuldigung für diesen Umstand fügt er noch hinzu: "Aber es gibt auch eine gute Nachricht, die Bremsen funktionieren einwandfrei!"

Donnerstag, Juli 12

Bahnstreik

Die Bahn-Gewerkschaften haben in den letzten Tagen bekanntlich einige Warnstreiks durchgezogen. Ob die Damen und Herren über-, unter- oder genau richtig bezahlt sind, kann ich nicht beurteilen. Allerdings passt es in das allgemeine Bürokraten-Bild der DB, dass die Bahn glatte drei (!) Gewerkschaften hat. Drei Gewerkschaften für ein Unternehmen! Naja, immerhin ist die Gewerkschaft der Lokführer mit einer Forderung von 30% mehr Lohn recht bescheiden in die Verhandlungen eingetreten und hat dieser durch einen Warnstreik Nachdruck verliehen. Freundlicherweise werden die Streiks rechtzeitig angekündigt, so dass man sich als Transportsubjekt darauf einstellen kann. Die Ankündigung lautete: "Dienstag von 8.00 Uhr bis 11.00 Uhr wird gestreikt!" Prima, also konnte ich fast unbehindert um 7.34 Uhr von Oberhausen nach Düsseldorf fahren, wo ich um 7.58 Uhr eintraf. Leider konnte ich meinen Weg zur Arbeit am Gleis 12 mit der S8 nicht fortsetzen, weil die S8 pünktlich um 8.01 Uhr dort eintrudelte und alle Fahrgäste aussteigen ließ. Der sich seit genau einer Minute im Streik befindliche Zugführer kommentierte auf meine Nachfrage, ob der Zug nicht noch zwei Stationen weiterführe dies furztrocken mit: "Nö, Arbeitskampfmaßnahme!" Na, wenigstens beim Streiken ist die Bahn pünktlich!

Dienstag, Juli 10

Pinkelschleuse

Jetzt im Monat Juli haben wir uns entschieden ab Oberhausen Hbf nach Düsseldorf zu fahren statt wie gewohnt über Wesel. Damit sparen wir uns die Kosten einer Monatsfahrkarte des Verkehrsgebiets VGN, immerhin über 80 stattliche Euro im Monat. Das lohnt sich aber nur dann, wenn der eine oder andere FG-Kollege ein/zwei Wochen Urlaub hat. Dann rechnen sich die erhöhten Spritkosten erst. So weit, so gut. Der einzige Haken an der Sache ist der Hintereingang des Oberhausener Hauptbahnhofs, den wir täglich zweimal passieren müssen. Dort verbindet eine etwa 12 Meter lange Treppe, die an der einen Seite an einer Mauer entlang führt und auf der anderen Seite abgemauert ist, die Parkplätze mit der Bahnhofspassage. Aufgrund dieser bautechnisch abgeschirmten Position wird sie auch gerne von diversen Individuen als Urinal benutzt. Dem Geruch nach mehrfach täglich, vielleicht sogar stündlich. Für den hartgesottenen Hardcore-Pendler bedeutet dies: 15 Sekunden Luft anhalten und in einem Rutsch ohne Unterbrechung schnell durch die Pinkelschleuse! "In einem Rutsch" soll dabei nicht wörtlich gemeint sein, denn die Rutschgefahr besteht hier auch in Sommermonaten, wenn der beißende... na, lassen wir das. So ist das halt in Oberhausen Hbf. Einen der Typen, der gerade eine Stange Wasser dort wegstellen wollte konnte ich letztes Jahr mit ein paar derben Sprüchen noch zur Umkehr bewegen, sonst hätten wir nasse Füße bekommen. Kapiert hat der Kollege das nicht wirklich, ist schließlich sein Gäste-WC.

Dienstag, Juni 26

Extratour Duisburg-Nord

Aus einem unerfreulichen Grund mussten alle Fahrgäste heute morgen den Rhein-Express in Dinslaken verlassen, da jemand seinem irdischen Dasein vor Oberhausen ein Ende gesetzt hat. Im Bahnjargon nennt sich das "Personenschaden" und führt zu einer Sperrung der Bahnstrecke. Der vom Zugführer angekündigte Schienenersatzverkehr (auch Bahnjargon, zu deutsch: Bus) stellte sich am Bahnhofsvorplatz als ganz gewöhnliche Straßenbahn heraus, auf der als Zielort verwirrender Weise auch noch "Mannesmann, Tor 2" ausgeschildert hatte. Nun ja, trotzdem sind wir voll ungerechtfertigten Vertrauens - wie 163 andere auch - in die Bimmelbahn eingestiegen und haben noch einen englisch sprechenden, ausländischen Fahrgast mitgeführt, der spätestens ab hier nur noch Bahnhof verstand. Die rappelvolle 45-minütige Straßenbahnfahrt führte uns dann durch die ausgetrockneten Sümpfe des östlichen Ruhrgebiets: Duisburg-Walsum, -Marxloh, -Ruhrort, -Duissern, -Meiderich und so weiter bis zum Hauptbahnhof. So viele Dönerbuden, Sonnenstudios, Spielhallen und vernagelte Hauseingänge gibt es sonst nur auf Schimanskis Schnüffeltouren zu sehen. Nach gefühlten 87 Haltestellen und 34 Ermahnungen der Straßenbahnführerin den Türbereich freizumachen, "sonst kann die Fahrt nicht wieder aufgenommen werden" haben wir den Landsmann am Hbf dann in seinen ICE nach Frankfurt gesetzt um dann selbst endlich eine Stunde verspätet D´Dorf zu erreichen.

Donnerstag, Juni 21

Reinigungsarbeiten

Eines muss man der Bahn lassen: Sie ist außerordentlich stark an der Sauberkeit ihrer Züge bemüht. Zurecht, denn Schmier- und Schmutzfinken gibt es unter den Fahrgästen reichlich. Heute morgen, so fand ich, haben sie es aber ein bisschen mit der Hygiene übertrieben. Nachdem die S8 abfahrbereit auf Gleis 12 stand, ließ eine Durchsage folgendes verlauten: "Sehr geehrte Fahrgäste, unsere Abfahrt verzögert sich wegen Reinigungsarbeiten hinter dem Zug noch um einen kleinen Moment!" Wohlgemerkt, hinter (!) dem Zug. Vielleicht klebte die S8 an einem Kaugummi fest. Wie auch immer, es gibt nix, was es bei der Bahn nicht gibt.

Montag, Juni 4

Endstation Stellwerk

Schadenfreude ist, zugegeben manchmal auch bei mir, die schönste Freude. Aber heute morgen hatte ich ernsthaft Mitleid mit einen etwa 16-jährigen Mädel, das Hals über Kopf die Treppe zu den S-Bahn-Gleisen hochgestürzt kam, sich eilig an vielen Menschen vorbeischlängelte und noch im allerletzten Moment in die wartende S1 springen konnte, bevor sich direkt hinter ihr die Türen schlossen und Fahrt aufnahm. Was der glücklichen Fügung ein etwas fahlen Beigeschmack verleiht ist der Umstand, dass diese S1 aus Dortmund genau hier endete, alle Fahrgäste kurz zuvor auszusteigen hatten und dann weiter irgendwo zum Bahn-Stellwerk tuckert, wo sie dort für ihre nächste Bestimmung in Position gebracht wird. Und das Mädel ist live dabei! Nun, wie gesagt, ein bisschen hat sie mir wirklich Leid getan, als der völlig leere Zug mit ihr an uns vorbeirauschte und ihre großen traurigen Augen hinter der Fensterscheibe uns verzweifelt anstarrten. Nun, wünschen wir ihr, dass sie beim nächsten Mal erst auf die Anzeige schaut und der Lokführer später nochmal durch den Zug streift, bevor die S1 heute abend nach Dortmund zurück fährt.